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Kinder lebendig sein lassen


Die meisten von uns stammen aus einem Elternhaus, welches uns als Kind belohnt hat, wenn wir funktional waren. Wir erfuhren Ablehnung und oft sogar Strafe, wenn wir eigene Bedürfnisse zeigten, die der Funktionalität im Wege standen. Was bedeutet Funktionalität? Und was bedeutet Lebendigkeit?


"Bist du auch schön brav?"


Wer funktioniert erfüllt die Bedürfnisse anderer. Das heißt im sehr jungen Lebensalter scheint ein Baby besonders brav, wenn es durchschläft, ruhig und leise ist. Später dann mit sich selbst beschäftigen kann, weder Lärm noch Dreck macht. In Wirklichkeit hat das Kind mit zunehmenden Alter gelernt mit all diesen scheinbar positiven Eigenschaften unsere Bedürfnisse zu stillen. Es hat gelernt, dass es funktionieren muss, wenn es dazugehören und von seinen Eltern Anerkennung bekommen will. Es hemmt sein Bedürfnis uns zu Liebe und funktioniert. Der Preis ist hoch! Es hat verlernt lebendig zu sein. Auf sich und seinen Körper zu hören. Dafür hat es gelernt genau die Maske aufzusetzen, die die Erwachsenen (also die Mächtigen, die über richtig und falsch urteilen) sehen wollen. Der Lohn dafür: Lob, Erfolg, Anerkennung, Dazugehörigkeit!



Lebendigkeit zulassen, unterstützen und fördern


Seien wir unseren Kindern Vorbilder. Es ist nie zu spät mit sich selbst und seinen Bedürfnissen liebevoller umzugehen. Hemmen wir kein Bedürfnis weg, sondern reden wir darüber.


Seien wir ehrlich zu uns selbst und unseren Kindern. Nehmen wir sie in den Arm, besonders dann, wenn sie gerade nicht in unserem Sinne funktionieren. Hören wir ihnen aufrichtig zu. Nehmen wir uns als Erwachsene das Recht heraus nicht zu funktionieren und verbringen wir Zeit mit unseren Kindern, weil wir durch sie wieder lebendig werden.

Lebendigkeit beginnt da, wo das Neugeborene nach Bedarf gestillt wird und nicht nach der Uhr. Lebendig sein heißt seine eigenen Bedürfnisse wahr und ernst zu nehmen. Sich gut zu spüren. Seinen Körper gut zu spüren. Gestalter seines Lebens zu sein. Einfach im Herzen nicht im Kopf zu leben.



Gastautorin Maria ist vierfache Mutter und Pädagogin


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